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Kulturcafé Michelbach e. V.

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Kunst- und Kulturweg Michelbach

 

Marburg-Michelbach hat seit Ende 2020 einen Kunst- und Kulturweg. Man kann ihn erwandern und wird durch Informationstafeln, die an Pfosten und Lichtmasten angebracht sind, zu den Kulturdenkmälern, zu Kunstobjekten und zu Naturbesonderheiten geführt. Das stilisierte Rotschwänzchen als Logo weist auf ihn hin.

Ausführliche Informationen zu allen Stationen des Wegs gibt es in einem Flyer, der im Tourismusbüro der Stadt ausliegt und stehen auf der Internetseite der Marburg-Tourismus GmbH (www.marburg-tourismus.de/kkm). Jede Station ist mit einem Text beschrieben und mit Fotos illustriert. Man kann sich die Texte auch vorlesen lassen.

Die Verbindung zwischen der Informationstafel an den einzelnen Stationen des Weges und den Erläuterungen im Internet geht über den QR-Code, der auf den Informationstafeln aufgedruckt ist. Wenn Sie vor einer stehen und mit ihrem Handy den QR-Code einscannen, dann werden sie zu den Informationen geleitet, die zu dieser Station gehören.

Woher kommt die Idee, einen Kunst- und Kulturweg in Michelbach einzurichten?

Im Rahmen des von der Stadt Marburg 2015 ins Leben gerufenen “Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzepts” (IKEK), bei dem es um die Entwicklung der Außenstadtteile von Marburg geht, hat eine Arbeitsgruppe Michelbacher Bürgerinnen und Bürgern eine Vision formuliert: Michelbach – Ein Ort wächst näher zusammen. Hintergrund für die Vision war die Tatsache, dass Michelbach physisch in zwei Siedlungsteile zerfällt: Den alten Teil und den neuen Teil Michelbach-Nord. Eine physische Trennung – hier durch die Frischtluftschneise “Ewiges Tal” –  kann einhergehen mit einem psychischen Abstand, den es zu verhindern oder zu überwinden gilt.

Eine Idee, diese Trennung nicht entstehen zu lassen, war, einen Kunst- und Kulturweg einzurichten, der wie ein Band den alten und den neuen Ortsteil von Michelbach zusammenhält. Auf einem Rundweg durch ganz Michelbach kann man die Attraktionen des Ortes sehr gut kennenlernen. Er soll nicht nur Besucherinnen und Besucher animieren, nach Michelbach zu kommen, sondern auch alle Bürgerinnen und Bürger aufrufen, Michelbach als Ganzes zu erleben.

Was kann man auf dem Weg sehen?

Erstens führt der Weg an den meisten Kulturdenkmälern in Michelbach vorbei. Dazu gehört natürlich die Martinskirche, aber auch historische Tagelöhnerhäuser und Hofanlagen gehören dazu.

Zweitens streift der Weg Naturbesonderheiten wie die Hessenwiese, die Bürgerwiese und die historische Wiese mit jeweils alten Obstsorten und das “Ewige Tal” als Naherholungsgebiet.

Und drittens kann man am Wegesrand Kunstobjekte sehen, deren Anzahl in den letzten Jahren erfreulicherweise zugenommen hat.

Speziell für den Kunst- und Kulturweg wurde 2020 nach einer Ausschreibung unter Künstlerinnen und Künstlern von Marburg-Biedenkopf zum Thema "Trennung – Verbindung" die Kunstinstallation "Zollstock Michelbach" der Battenberger Küstlerin Marlit Peikert ausgewählt und aufgestellt. Mit einem Zollstock misst man Abstände. Durch seine Größe soll er symbolisch den Abstand der beiden Ortsteile zueinander sichtbar machen, ihn sichtbar vermessen. Er soll aber andererseits an alle appellieren, diesen Abstand zu verringern, ihn zu überwinden. Denn beide Ortsteile gehören zusammen, bilden ein Michelbach. An einer Stelle befinden sich drei Glieder hintereinander. Sie bilden eine Sitzfläche, die ein sich treffen, ein sich austauschen Aller aus dem neuen und dem alten Ortsteil ermöglicht.

IWie wurde der Weg finanziert?

Der größte Teil wurde durch die Region Marburger Land mit dem Regionalbudget gefördert, ein Förderprogramm der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Hessen. Den restlichen Teil haben die Stadt Marburg, Marburger und Michelbacher Firmen, Organisationen, Vereine und Privatpersonen zur Verfügung gestellt.
Die Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH hat unentgeltlich den Internetauftritt ermöglicht.

Wer war bei der Entwicklung und Umsetzung beteiligt?

Die Federführung des Projekts “Kunst- und Kulturweg Michelbach” lag beim Kulturcafé Michelbach e. V. Hier wurde das Konzept erarbeitet, wurden die Fördergelder und Spenden eingeworben und musste vieles mit der Stadtverwaltung abgestimmt werden. Aber ohne die Mitwirkung von vielen Michelbachen bei der Textauswahl, bei der Zurverfügungsstellung der Fotos, bei der Erstellung der Hörfassung, bei der Auswahl des Kunstobjekts, beim Aufstellen der Bänke und beim Anbringen der Schilder und Informationstafeln wäre das Projekt in der Kürze der Zeit nicht zustande gekommen.
Nach den Bedingungen des Hauptförderers musste das Projekt in 2020 realisiert sein. Coronabedingt kam der Förderbescheid erst im Juli 2020, so dass nur ein halbes Jahr Zeit blieb, den Weg zu realisieren.

Ums so mehr haben wir uns gefreut, dass es gelungen ist. Wir sind überzeugt, dass der Weg die Attraktivität von Michelbach - und damit auch von Marburg - erhöht und zur Lebensqualität beiträgt. Daher hoffen wir, dass er von allen Michelbacherinnen und Michelbachern sowie Marburgerinnen und Marburgern angenommen und erwandert wird. Er trägt dazu bei, dass man Michelbach noch besser kennenlernen kann.
Dr. Peter M. Pittner

 

Leichen in der Kulturscheune

 

Im Rahmen des Marburger Krimifestivals las am 26. September 2020 der bekannte Darmstädter Autor Michael Kibler aus seinem aktuellen Buch „Zornesglut“. Schon in 2013 war Kibler mit einem seiner  Darmstadt-Krimis in Michelbach zu Gast gewesen. In „Zornesglut“, seinem  12. Buch mit Kommissar Horndeich, gibt es 3 Leichen – und 2 davon durften die Besucher der Kulturscheune an diesem Abend „kennenlernen“. Es scheint um Morde im Drogenmilieu zu gehen – doch es wird komplizierter: plötzlich gibt es Indizien dass Horndeichs ehemalige Kollegin Margot Hesgart in die Morde verwickelt ist.

Kibler stellte den Besuchern die einzelnen Protagonisten vor und verriet schmunzelnd, dass er gewisse Ähnlichkeiten zwischen Gerichtsmediziner Dr. Martin Hinrich und einem gewissen Professor Börne aus Münster nicht abstreite.  Mit ruhiger und wohlklingender Stimme trug Kibler ausgesuchte Textstellen vor, dazwischen Wissenswertes über Darmstädter Stadtviertel und ein Exkurs zu Höchst im Odenwald (wo eine der Leichen gefunden wird).

In einem parallel zur Mordermittlung laufenden Handlungsstrang sitzt eine Mutter am Bett ihrer im Koma liegenden Tochter und lässt die Leserinnen und Leser durch Monologe an ihrer Gefühlswelt teilhaben. Ob und wie die beiden Handlungsstränge zusammenkommen, blieb offen. Genauso offen wie andere Details, wenn der Autor an bestimmten Stellen seine Lesung stoppte, ins Publikum lächelte und meinte, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Stopp wäre.

Nach der kurzweiligen Lesung gab es noch eine Fragerunde. Der Autor gestand, nur dann Schreibmotivation zu haben, wenn der Zeitpunkt der Manuskriptabgabe in die Nähe rückt. Und immer im November müsse der neue Krimi fertig sein, denn es sei mittlerweile Tradition in Darmstädter Familien dass unterm Weihnachtsbaum der „neue Kibler“ liege. Gefragt nach seinen Kenntnissen in der Polizeiarbeit gab er gerne zu, dass er bei seinem ersten Krimi in 2005 auf immerhin 32 Jahre
„Tatort“-Folgen zurückschauen konnte. Eventuelle Kenntnislücken habe er dann mit Hilfe des Leiters der Darmstädter Mordkommission schließen können, und heute habe er ein Netzwerk von Experten, die er für seine Detailfragen anrufen könne.

Die Lesung war die erste Veranstaltung des Kulturcafés in der Kulturscheune unter Corona-Auflagen, nur gut 20 Besucher konnten teilnehmen. Am Ende der Veranstaltung nutzten einige Besucher die Gelegenheit, das Buch zu erwerben und signieren zu lassen.
Text: Sabine Härtel
Foto Peter Wiegand

 

Konzert zum Jahreabschluss der Veranstaltungen im Jahr 2019

 

Das letzte Konzert im Jahre 2019, am 23.November,  in der Kulturscheune Michelbach stand unter dem Motto,  Sprache und klassische Musik in Einklang zu bringen. Die Überlegung Musik aus unterschiedlichen Epochen mit zeitgleichen Texten zu kombinieren, war eine interessante Aufgabe und die Interpreten aus nächster Nähe zu finden, eine Option. Die Instrumentalisten Uwe und Christoph Mahlert kommen ursprünglich aus Marburg, der Rezitator Peter Radestock, aus Rauischholzhausen, lebte einige Jahre in Michelbach.

In dem leicht ironisch gefärbten Titel der Veranstaltung: „Wenn Bartok die Zauberflöte in die Hand nimmt, hört man auch Telemann“, war die Zielrichtung der musikalischen Inhalte vorgegeben. Von Barock über Klassik zur Moderne war ein breiter musikalischer Bogen gegeben. Bei der Auswahl passender Texte und Anekdoten gewann der Anteil über und von Mozart eindeutig die Oberhand, da von ihm sehr viel bekannt war

Die 60 Zuhörerinnen und Zuhörer durften ein sehr interessant gestaltetes und umfangreiches Programm erwarten. Den musikalischen Abend mit 2 Instrumenten, Violinen und Viola, allein zu gestalten ist beileibe nicht häufig anzutreffen und stellt ein gewisses Wagnis dar.

Zwischen den Musikstücken erzählte Peter Radestock mit seiner unverwechselbaren Interpretationskunst Wissenswertes und Unterhaltsames zu den Komponisten. Hier waren neben Lebensdaten auch Anekdoten aus den jeweiligen Lebensumständen zu hören. Georg Philipp Telemann ein bedeutender Komponist der Barockzeit war zeit seines Lebens anscheinend immerzu und rastlos tätig. Über Leipzig, Eisenach und Frankfurt kam er nach Hamburg, wo er ununterbrochen Kantaten, Kammermusikwerke und später auch Opern und Oratorien komponierte.

Sehr umfangreich war hier der Anekdotenschatz von Mozart, als Vertreter der Wiener Klassik, dargestellt worden. Ob es verschieden geführte Briefkorrespondenzen mit seinem Vater, seiner Mutter während des Aufenthaltes in Paris oder der skurrile und sehr anzügliche Briefwechsel mit seinem „Bäsle“ oder seiner Schwester war, vieles war wenig oder nicht bekannt. Unterhaltsam war es in jedem Fall. Ein anderer musikalischer Beitrag eines Kanons von Mozart mit dem Titel: „Leck mich im Arsch…“, über CD eingespielt,  ließ diese leichtlebige Art sehr deutlich werden. Deutlich ernster und trauriger war der Lebensweg des in Ungarn geborenen Bela Bartok, der 1940 das Europa der Nazis mit seiner zweiten Frau in Richtung USA verlassen hatte und 1945 in New York gestorben ist. Er ist der musikalischen Moderne zuzuordnen. Neben Opern, Orchesterwerken, Kammermusik und Klavierwerken war sein besonderes musikalisches Vermächtnis auch das Sammeln der unterschiedlichen Stile von Volksliedern, um diese eigenkompositorisch zu bearbeiten.

Das umfangreiche Konzertprogramm für zwei Violinen, bzw. Violine und Viola,  wurde wie folgt gestaltet:
von Georg Philipp Telemann (1681 – 1767) Sonate 1 aus: Sechs kanonische Sonaten    mit den Tempi: Vivace – Adagio –Allegro;
von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)  Deutsche Tänze,  Menuett (KV 164,1 , KV 604, von 1791), 2 Deutsche Tänze (KV 509, 1+2, von 1787) und Menuett, aus einer Symphonie (KV 409, von 1782);
von Bela Bartok (1881 – 1945) aus:  44 Duos für 2 Violinen; Necklied; Reigen; Ungarisches Lied; Slovakisches Lied; Soldatenlied; Polstertanz; Gram; Ungarisches Lied; Dudelsack;
von W.A.Mozart aus: Die Zauberflöte – Der Vogelfänger bin ich ja; Bei Männern welche Liebe fühlen; Wie stark ist dieser Zauberton; Alles fühlt der Liebe Freuden; Der Hölle Rachen kocht in meinem Herzen; Ein Mädchen oder Weibchen. Aus Duo B-Dur (KV 423) für Violine und Viola, Thema con variazioni.

Das Wagnis ist erfolgreich gelungen. Mit großer Intensität und musikalischem Tiefgang ist hier sehr unterschiedliche Musik von zwei Violinen gestaltet worden. Mit großer Hingabe interpretierten die beiden Musiker alle Stücke der Komponisten in differenzierter Form. Die spätbarocke Sonate 1 von Teleman wurde geradlinig in transparenter Form wiedergegeben, sodass die kanonische Gestalt erkennbar wurde. In lebhafter und tänzelnder Form mit unterschiedlichen Tempi wurden Mozarts Menuette und Tänze zu Gehör gebracht. Die typischen Liederarten von Bartok konnten deutlich ihrem Titel zugeordnet werden. Diese außerordentliche Ausdruckskunst ist hier überzeugend gelungen. Bekannte Melodien aus Mozarts Zauberflöte durften in diesem Konzertprogramm nicht fehlen. Immer wieder strahlten die Mienen der Zuhörer beim Erkennen einer Melodie. Den Abschluss bildete Mozarts Originalkomposition für Bratsche und Geige: Thema mit Variationen. In gekonnter und sicherer Form war hier der besondere Klang zweier ähnlicher und doch in der Stimmlage unterschiedlicher Instrumente zu hören.

Die Künstler des Abends wurden für ihre überzeugende Darstellung, den musikalischen und rezitatorischen Leistungen mit großem Applaus belohnt
Mit Hinweis auf das Programm des kommenden Jahres bedankte sich das Team des Kulturcafés für den regen Zuspruch der heutigen Veranstaltung
Text und Fotos: Bernd Geiler

 

Kunstsäule Michelbach
8. November 2019: Marburgs erste Kunstsäule steht in Michelbach

Litfaßsäulen gehören seit über 150 Jahren zu einem festen Bestandteil jeder Stadt. Inzwischen sind einige aufgrund neuer Werbe- und Informationswege für die Betreiber unwirtschaftlich geworden. Es stellt sich die Frage, was macht man mit den Säulen? In vielen Städte wie z. B. Frankfurt oder Köln sind Kunstbegeisterte auf die Idee gekommen, diese Säulen als Kunstsäulen, als ‚Open Air Museum’ zu nutzen. So auch jetzt geschehen mit der Litfaßsäule am Festplatz in Michelbach, die schon seit Jahren ein trauriges Dasein fristet. Mitglieder des Kulturcafés Michelbach e. V. haben die Idee der Kunstsäule aufgegriffen und im Rahmen einer Patenschaftsvereinbarung mit der Stadt Marburg - dem Eigentümer der Säule - die Aufgabe übernommen, die Säule künstlerisch zu gestalten.

Somit ist geplant, unter der Federführung des Kulturcafés Michelbach, dreimal im Jahr verschiedene Kunstprojekte an der „Kunstsäule Michelbach“ zu zeigen. Als Kunstschaffende werden in erster Linie lokale Künstler*innen oder Künstler*innengruppen angesprochen. Dabei sollen auch die hiesigen Schul- und Kindergartenkinder über Kunstprojekte Gestaltungsraum bekommen.

Das Kulturcafé erhofft sich mit dieser Umwidmung und Gestaltung einer Litfaßsäule in eine „Kunstsäule“ – die erste dieser Art in Marburg – an einem prominenten Platz in Michelbach, dass Kunst im öffentlichen Raum belebt und die Aufmerksamkeit der Bewohnerinnen und Bewohner von Michelbach und deren Gäste auf Kunst und Kunstaktivitäten gelenkt wird. Betrachter, die normalerweise auf einer Litfaßsäule Werbung für Produkte und Informationen für Veranstaltungen erwarten, können somit neben der klassischen Museumsumgebung im Vorbeigehen einen unbefangenen und immer wieder anderen Blick auf Kunst richten.

Die „Kunstsäule Michelbach“ soll darüber hinaus den Marburger Stadtteil Michelbach attraktiver machen, soll die Gespräche über Kunst speziell im öffentlichen Raum unter den Menschen anstoßen und damit die Qualität und die Identifikation mit der Lebensumgebung erhöhen.

Dank einer Anschubförderung durch das Kulturamt Marburg konnte am 8. 11. die erste Gestaltungsmaßnahme erfolgen. Bei Motiv und Farben wurden bewusst Elemente verwendet, die schon im Rahmen der 1200Jahrfeier von Michelbach im Jahre 2017 auftauchten.

Die folgenden Bilder zeigen die Entwicklung der Litfaßsäule zur Kunstsäule in den Monaten August bis November 2019.


Peter M. Pittner

 

Dream Children's Home“ – Ein Kinderheim in Kenia

 

Die diesjährige Benefizveranstaltung des Kulturcafés fand am 19. 10. zugunsten eines Kinderheims in Kenia statt.

In einem lockeren Gespräch, das von unserem Mitglied Martin Kaminski moderiert wurde, berichtete Marike van Bentum aus Frankenberg, die für ein Jahr in Kenia tätig war, von ihrer Arbeit im Kinderheim "Dream Children's Home" und gab Einblicke in die soziale und kulturelle Situation des Landes.

Vorweg gab es eine Videobotschaft von Rachel Gichia, die mit ihrem Mann 2005 das Kinderheim gründete. Im Verlaufe des Gesprächs wurden Bilder und Videos vom Leben im Heim gezeigt.

Zur Zeit leben dort 116 Kinder, die ein oder beide Elternteile verloren haben oder Kindern, deren Familien nicht fähig sind, sich um sie zu kümmern. Sie können dort wohnen und essen, werden medizinisch versorgt und bekommen eine Schulbildung. Da es in Kenia keine staatlichen Finanzierungshilfen für soziale Einrichtungen gibt, ist das Heim auf private Unterstützung und auf Spenden angewiesen. Diese Gelder werden dringend gebraucht um die Verpflegung der Kinder sicherzustellen, sie mit Kleidung und Schulmaterialien auszustatten, Schulgebühren und Arztkosten zu bezahlen und den Ausbau des Heimes zu ermöglichen. Siehe auch http://dreamchildrenshome-kenya-orphanage.org/index.php.

Der Michelbacher Chor „ConJAZZness“ hat dankenswerter Weise mit seinem immer hörenswerteren Repertoire den Abend umrahmt. Passend zum Thema begann er mit einem afrikanischem Begrüßungslied und beendete den Abend (Zugaben nicht miteinbezogen) mit einem afrikanischen Abschiedslied.

Als kulinarische Köstlichkeit wurde in der Pause ein landestypischer schmackhafter rote Bohnen-Kokos-Curry-Eintopf („Maharagwe“) mit kenianischem Kokosnussreis („Wali Wa Nasi“) und Minz-Koriander-Soße angeboten; zubereitet von Michal Bandac von „mmmLecker“.

Erfreulich war, das ca. 700,-- € Spenden für die Arbeit des Kinderheims erzielt wurden: durch die anwesenden Gäste, durch einen Zuschuss des Kulturcafés und durch den Chor, der seine Gage spendete.
Peter M. Pittner

 

Ansichten VIII – Kunstausstellung in der Kulturscheune

 

Mitte Mai 2019 fand zum achten Mal die Kunstausstellung unter dem Motto “Ansichten” in der Kulturscheune statt. Fünf Künstlerinnen und ein Künstler, alle aus Marburg, stellten Arbeiten in Michelbach aus. Organisiert wurde die Ausstellung von Mitgliedern des Kulturcafés Cornelia Altemüller, Angelika Rühle und Peter Pittner.

Die Eröffnung erfolgte durch den Vorsitzenden des Kulturcafés mit einigen Reflexionen zur Kunst von Theodor W. Adorno und Jazzklängen eines Quartetts der “Gerard`s Backroom Serenaders”. Thomas Manke am Klavier unterhielt die Besucher am Sonntag, die bei Kaffee und Kuchen die Ausstellung doppelt genießen konnten.

Zu sehen waren Arbeiten aus den Genres Malerei, Skulptur und Fotografie.

Kattrin Luchs zeigte einige ihrer abstrakten Werke aus den letzten Jahren. Vanessa Briel, die Mode und Malerei kombiniert, brachte mystische Gemälde und Kostproben ihrer Textilgestaltung mit. Frauke Hubal, eine gelernte Holzbildhauerin, präsentierte Holzskulpturen und “Found-Objects”. Brigitte Wiegand aus Michelbach verwandelte Mensch- und Tiermotive mit dem Material Ton in originelle und lustige Objekte. Susanne Saker von der Marburger Fotocommunity “Blaue Linse” zeigte Fotografien aus der Straßen- und Graffitiszene.

Als besondere Attraktion des Ausstellungswochenende sprayte der junge Marburger Graffitikünstler Jan unter seinem Künstlernamen “Oetk.“ unter den Augen vieler Besucher ein Motiv mit Bezug auf Michelbach auf eine Wand gegenüber der Kulturscheune.

Der rege Besuch von Michelbachern, Marburgern und aus anderen Orten zeigte, dass sich der Aufwand wieder gelohnt und Kunst einen Platz in Michelbach hat.
Peter M. Pittner

 

Rasanter Start ins Jahr 2019

 

Das Jahr 2019 begann mit drei “Blockbustern”, die einen solchen Zuspruch hatten, dass wir zweimal “Ausverkauft” melden konnten.

Ende Januar machte die Theatergruppe “Vorspiel39” verstärkt durch Matthias Heuser, dem Leiter des Chores “N-Joy”, den Anfang mit einer kurzweiligen Musikrevue mit dem Namen “Sammys Pianobar”. Im Rahmen einer Geschichte um ein Bewerbungscasting für eine neue Mitarbeiterin in einer Pianobar wurden Evergreens von Frank Sinatra aber auch moderne Songs von Cicero und Herbert Grönemeyer zum Besten gegeben. Bühnenbild und Kostüme trugen zum stimmigen Bild bei. Beim Publikum kam die Show hervorragend an.

Es folgte der Kabarettist Gerd Hoffmann aus Berlin, Gründer des Kabaretts ”Die Radieschen”, der in der Kulturscheune mit seinem aktuellen Programm ”Jacke wie Hose” gastierte. Hoffmann –  locker, mit Punkfrisur und Berliner Schnauze – betrachtete die Berliner Parteienlandschaft mit herrlich unkorrekten politischen Fragen, ungewöhnlichen Antworten und einer gehörigen Ladung bösartigem Charme. Jede Partei und die GROKO bekamen ihr Fett weg, unterhaltsam, witzig, ohne beleidigend zu sein. Die Dieselaffäre, der Klimawandel, der Berliner Flugplatz, deutsche Politiker und Trump: es war alles drin.

Einen weiteren Höhepunkt bescherte uns Anfang März das Saxophonquartett “sistergold” mit ihrem Programm ”Saxesse”. Die vier studierten Musikerinnen, die seit 2009 schon reichlich Erfahrung in zahlreichen Musik- und Theaterprojekten gesammelt haben, begeisterten die Zuhörer mit einem amüsanten Ritt durch die Musikstile Tango, Samba, Swing, Klassik und Pop. Meisterlich beherrschen die Musikerinnen ihre Saxophone, boten brillanten, glasklaren Sound und überzeugten mit Virtuosität, Spielfreude und humorigen Showeinlagen: Vier Frauen, vier Saxophone – ein mitreißender Sound.
Peter M. Pittner

 

I Fagotti Vecchi – Klangwelten des Fagotts

 

Es war schon ein besonderer musikalischer Genuss, Musik dem Klang von fünf Fagotten am 24. November 2018 in der Kulturscheune Michelbach, vorgetragen vom Ensemble „I Fagotti Vecchi“, zuhören zu können. Es waren ca. 60 Zuhörerinnen und Zuhörer, die der Einladung zu diesem besonderen Konzert gefolgt waren, das einen würdigen Rahmen als letzte Veranstaltung des Kulturcafés Michelbach im Jahr 2018 darstellte.

Das Fagott-Ensemble, bestehend aus Heike Sonneborn, Christiane Stöhr, Stephan Ziegler (alle aus Marburg), Joachim Müller (Mainz) und Ruben Müller (Worms) führte uns auf eine Reise in die Musik aus 4 Jahrhunderten. Neben der Musikstücke alter Meister, die original für andere Instrumente ihrer Zeit, wie Dulzian oder Zink in unterschiedlichen Stimmlagen geschrieben, nun aber für Fagott gesetzt wurden, gab es auch Musik neuerer Zeit, für Fagott komponiert. Zu jedem Komponisten gab es von den Interpreten ergänzende Informationen.

Das Konzert begann mit einer Pavane zu fünf Stimmen von Moritz von Hessen (1572 – 1632), der sich als Landesfürst auch einen Namen als Komponistgemacht hatte. Zu seiner Musik konnte gesagt werden, dass er stilgerecht fünf gleiche oder ähnliche Stimmen für seinen besonderen gewünschten Klang gesucht hatte. Der zweite Komponist Joseph Bodin de Boismortier (1689 – 1755) hat eine viersätzige Sonate in d-moll geschrieben, die in typischem barocken Klang sowohl getragen, als auch lebhaft interpretiert wurde. Nach dem Besuch der Renaissance und des Barock wurden wir mit Musik von Sergei Prokofiew (1891 – 1953) mit seinem Scherzo humoristique Op. 12 Nr. 9 schon in die Neuzeit geführt.

Doch zuvor wurde die Entwicklung des Fagott zum heutigen Instrument mit seiner besonderen Bauweise vorgestellt. Aus dem Italienischen „Fagotto“ - das Bündel, leitet sich der Name her. Erkennbar ist das gekrümmte und zusammengefügte Holzrohr mit vielen Klappen für alle unterschiedlichen Töne. Das vorgestellte Kontrafagott für die tiefsten Töne ist mehrfach gekrümmt und gebündelt, damit die Gesamtlänge von 5,93 Metern auch zu halten und zu spielen ist. Mit einem Doppelrohrblatt wird, wie auch Oboe und Englisch Horn, der Ton erzeugt. Das beeindruckende Klangbeispiel wurde mit besonderem Applaus bedacht.

Nach der Pause kamen Originalkompositionen für Fagott zu Gehör. Hier waren deutlich andere Klangbilder erkennbar. In der Tanzsuite für vier Fagotte von Hans Posegga (1917 – 2002): Happy Day Foxtrott - Langsamer Walzer – One Step – Tango Argentina,  wechselten sich kurze Tonstöße mit farbigen getragenen Harmonien ab. Die Musik erinnerte an Musik von H. Eissler, an blueslastige Melodien der 20er Jahre und südamerikanische Tango-Tanzveranstaltungen. Auch Manuel Penella (1880 – 1939) komponierte in seinem Paso doble aus der Oper El gato montés warme ausgeglichene Klänge mit viel Gefühl und Rhythmus. Das Fagottensemble konnte diese Musik mit Feingefühl und rhythmisch sicheren filigranen Zwischenbereichen geschickt darbieten. Immer wieder wurde die Lautstärke differenziert. Im sehr genauen rhythmischen Tutti–Zusammenspiel war auffallenderweise nicht immer der typische Fagottklang erkennbar, was die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten dieser Instrumente beeindruckend zeigte. Der Komponist Peter Jansen (1921 – 2009), aus der Pfalz, hat in seinen drei Stücken für Fagottquintett (Scherzo – Nocturno – Burlesca) die Instrumente sehr modern in besonderen verminderten und übermäßigen Harmonien erklingen lassen. Typische Bassläufe à la Fagott bildeten das Fundament und darüber ertönten spielerisch leicht die Melodien.

Das Ensemble I Fagotti Vecchi überzeugte in ihrer Darbietung insgesamt mit einem intensiven und harmonischen Klang, der viel Wärme ausstrahlte, sodass auch die Feinheiten unterschiedlicher Zeitepochen deutlich erkennbar wurden. Mit großem Applaus bedankte sich das restlos begeisterte Publikum bei dem Fagott-Ensemble, das sich mit zwei Zugaben: „Der Elefant vom Karneval der Tiere“ von Camille Saint Saensund dem bekannten Lied: „Der Mond ist aufgegangen“ aus der Kulturscheune Michelbach verabschiedete.
Bernd Geiler; Foto: Hannelore Prange

 

DUO LACHMUSIK – Konzert-Highlight in Michelbach

 

Das vom Kulturcafé Michelbach veranstaltete Konzert am 30. Juni 2018 in der Kulturscheune mit dem DUO LACHMUSIK kann mit Sicherheit als ein klassisches Musik-Highlight bezeichnet werden.

Es war das 1. Konzert im Rahmen und mit der Unterstützung des Kultursommers Mittelhessen 2018, das durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und durch die Kulturstiftung der Sparkassen Hessen-Thüringen getragen wird. Ein extra zu diesem Anlass angemieteter Konzertflügel durch das Klavierstudio Kamm in Kirchhain, finanziell gesponsert durch die Sparkasse Marburg-Biedenkopf, konnte den hohen Ansprüchen des Abends gerecht werden.

Der ursprünglich geplante Auftritt mit den „Cellikatessen“ aus Kassel, die aus Krankheitsgründen nicht auftreten konnten, wurde durch den schnellen und unbürokratischen Einsatz des DUO LACHMUSIK gerettet.

Die beiden Künstler Andreas Kowalewitz, u.a. Dirigent beim Staatstheater am Gärtnerplatz in München, und Klaus Wallendorf, pensionierter Hornist der Berliner Philharmoniker und erfolgreicher Buchautor, begeisterten ihr Publikum in der völlig ausverkauften Kulturscheune restlos und machten ihrem Namen Lachmusik große Ehre.

Der Titel „klassik zum kugeln“ versprach von Beginn an eine heitere und nicht immer ganz ernst zu nehmende Interpretation klassischer musikalischer Themen. Andere Auftritte vorwiegend mit Musik von Mozart wurden in Anspielung eines Schoko-Konfektes auch „Mozart zum Kugeln“ genannt.

Der Abend begann mit Mozarts Zauberflöte am Klavier. Den Flötenpart übernahm das Waldhorn. Musikalische Stücke am Klavier wechselten mit heiteren aber auch ernsten Texten, variationsreich vorgetragen oder gesungen von Klaus Wallendorf, der zur Unterstützung das Horn passend einsetzte. Ein Höhepunkt des Vortrags war der gelungene Versuch, den Minutenwalzer von Chopin textlich zu unterlegen. Hier überzeugte das außerordentlich schnelle Sprechtalent von Klaus Wallendorf. Die Interpretation des Themas „Lili Marleen wartend an der Laterne“ wurde z. B. in der Art der Dichtergrößen Goethe, Heine und Busch oder auch in unterschiedlichen deutschsprachigen Dialekten und Meinungen vorgetragen. Wir wissen nun, welche wichtigen Beiträge die dritten Hornisten in großen Symphonien zu leisten haben und wie Herbert von Karajan Wagner dirigierte. Ebenso wurden wir Zeuge einer Uraufführung der von beiden komponierten „Bauernoper“ mit Eifersucht, Sex und Totschlag. Die Vertonung eines modernen nahezu unverständlichen Gedichts führte die beiden Musiker und Rezitatoren zu atonalen, expressionistischen Musikausbrüchen mit gewaltigen Körper- und Instrumenteneinsätzen. Lehrreich war auch die Erklärung eines Doppeltrillers in der Nachtmusik von Mozart, der auch in anderen Musikbeispielen kenntlich gemacht wurde.

Kunstvoll gestaltete Andreas Kowalewitz am Flügel dabei jeweils bekannte Intervalle und Musikanfänge, die zu nicht zu erwartenden aber allgemein bekannten Musikbeispielen führten. Die von ihm komponierte Fuge mit gleichzeitiger Überlagerung bekannter Melodien machte deutlich, auf welch hohem Niveau hier in Michelbach musiziert wurde.

Das Publikum war begeistert von der Vielfalt der Interpretationen und dem Ideenreichtum der Künstler und konnte nach dem Programm sich noch weitere Zugaben erklatschen.

Die Veranstalter des Kulturcafés Michelbach bedankten sich unter Hinweis auf weitere Veranstaltungen in der Kulturscheune im Namen aller für den genussvollen, lehrreichen und hochkarätigen Konzertabend bei den Künstlern.
Bernd Geiler

 

Michelbacher Steinsuppe” – Eine soziale Kunstaktion
 

In Michelbach wurde am Sonntag, den 6. Mai eine „Steinsuppe“ gekocht. Das Kulturcafé veranstaltete diese Form einer sozialen Kunstaktion, zu der alle Michelbacherinnen und Michelbacher eingeladen waren. Es wurde gemeinsam gekocht und gegessen. Auf der Grünfläche zwischen den beiden Ortsteilen (Nordmichelbach und dem alten Dorfkern) kamen ca. 80 Michelbacher mit Zutaten für eine Suppe an einer langen Tafel zusammen. Es wurde geschnippelt, gerührt und probiert und gegen 13.00 Uhr hörte man eine Mutter rufen: „Kinder, das Essen ist fertig!“

„Die Idee, ein gemeinsames Essen zu inszenieren ist in Gesprächen mit der Marburger Künstlerin Gabi Erne entstanden“, erklärt Bernd Geiler, einer der Organisatoren. „Die ‚Geschichte von der Steinsuppe‘ haben wir als Motto gewählt. In dieser kommt in Zeiten einer Hungersnot ein Hausierer in ein Dorf und kocht nur mit einem ‚kostbaren‘ Stein – und letztlich mit den Zutaten der neugierigen Dorfbewohner – eine Suppe. Uns geht es nicht um die Suppe als Nahrung, sondern darum, dass man über das Zusammentragen der Zutaten und das gemeinsame Kochen einer Suppe Menschen zusammenbringen kann. Beim gemeinsamen Zubereiten einer Mahlzeit kommt man ins Gespräch und lernt sich kennen. Das ist in unseren Zeiten wichtiger als das Essen der Suppe.“ Das Kulturcafé stellte mit Unterstützung der Feuerwehr Tische und Bänke bereit, organisierte 10 Kochstellen und stellte Töpfe, Wasser und Gewürze zur Verfügung. Um 11.30 Uhr starte die Aktion mit der Schelle des Ortsbürgermeisters und mit dieser endete das gemeinsame Essen um 14.30 Uhr.

 „Ein klarer Rahmen und Regeln sind die entscheidenden Merkmale dieser Veranstaltung“, erläutert Ingrid Rieken. „Kunst als soziale Aktion gibt es seit den 60er Jahren und in Verbindung mit Nahrungsmitteln oder Kochen ist es eine recht späte Kunstform. Erst vor einigen Jahrzehnten hat sich die „Eat Art“ zu einer eigenständigen künstlerischen Gestaltungsform entwickelt.“

Als Tischdekoration dienten zahlreiche Steine, die von den Kindern der Michelbacher Kindergärten und der Grundschule bunt bemalt waren. Das hatte den Kindern großen Spaß gemacht. Die Steine wurden abschließend als Erinnerung um ein paar Bäume gelegt.

Peter Pittner, Vorsitzender des Kulturvereins, weist noch einmal auf die Bedeutung des Ortes hin: „Uns geht es heute vor allem darum, das Kochen und Essen als ein Miteinander bewusst zu erleben und einander auf eine ganz eigene alltägliche Art kennen zu lernen.  Von zentraler Bedeutung ist bei dieser Aktion jedoch der Ort – das ‚Ewige Tal‘. Wir möchten zugleich die Aufmerksamkeit auf diesen Zwischenraum zwischen beiden Ortsteilen lenken, der von den Bürgern stärker genutzt werden soll.“

Eine Steinsuppe zu kochen hat allen viel Spaß gemacht. „Das sollte auf jeden Fall wiederholt werden – eine tolle Aktion.“  So der Tenor der Teilnehmer/innen. (Alle Bilder von Werner Becker)

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Weitere Bilder unter der Rubrik “Neulich in Michelbach”

MENSCHENFISCHER” – Jan Seghers in Michelbach
 

Dieses Jahr hatte es wieder geklappt. Jan Seghers, einer der bekanntesten deutschen Krimiautoren, las in seiner charmanten Art im Rahmen des Marburger Krimivestivals in unserer Kulturscheune. Die Lesung aus seinem „brandneuen“ Krimi „MENSCHFISCHER“ war schnell ausverkauft. Einige ganz hartgesottenen Krimifans konnten nur noch vor der Scheune einem Lautsprecher zuhören.

Viele Michelbacher, Marburger und Gäste von weit und fern – ein Krimifan kam direkt zu einem Tagesausflug aus Österreich – konnten wir in unserer gemütlichen Kulturscheune begrüßen.

Michelbach war praktisch die Premierenlesung des neuen Romans.

Diesmal schickt Jan Seghers seinen Kommissar Marthaler in die Abgründe des Menschenhandels. Sein Fall löst eine der größten Polizeiaktionen der Nachkriegszeit aus. Schauplätze sind wieder das Rheinmaingebiet aber auch Südfrankreich. Marthaler ermittelt mit  Kommissarin Kizzy Winterstein  – sie ist selbst eine Romni, wie die inzwischen tot aufgefunden Roma-Jungen.

Alle Besucher folgten Jan Segher sehr aufmerksam den spannenden, aber auch z. T. kaltblütigen Passagen. In der anschließenden Diskussion und den Gesprächen (bis nach Mitternacht!!) wurde auch ausführlich über die Parallelen zu dem immer noch nicht aufgeklärten Mordfall „Tristan“ von 1998 gesprochen.

Jan Seghers hat es wie immer verstanden seine Zuhörer zu begeistern und in die Krimiwelt mitzunehmen.

Leider konnte der Roman erst ab dem 7. November gekauft werden. Auf dem Büchertisch haben viele Besucher seine bisherigen Bücher – z. B. „DIE STERNTALERVERSCHWÖRUNG“ mit Autogramm mit nach Hause genommen.
Peter Wiegand

 

Wochenend-Ausstellung in der Kulturscheune
 

Unter der Überschrift "Ansichten" lud der Verein Kulturcafe e. V. im Mai zum siebten Male zu einer Vernissage mit Künstlern der bildenden Kunst in die Kulturscheune Michelbach ein. In seiner Eröffnungsrede philosophierte der Vorsitzende Peter Pittner über Heideggers Thesen, was denn Kunst sei und wie man sich dieser nähere.

Ich kann mich am besten der Kunst nähern, indem ich mich geistig entspannt an die Werke annähere, ganz ohne einen Sinn entdecken zu müssen oder vorerst eine versteckte Botschaft entdecken zu wollen. Kunst kann Botschaften vermitteln; sie kann aber auch einfach nur schön sein und dies im Positiven wie im negativen Sinne ausdrücken, je nachdem, wie der Künstler ein Werk anlegen möchte.

In diesem Jahr stellten vier Künstlerinnen und Künstler ihre Werke vor. Die Künstlerin Cornelia Altemüller (auf dem Foto mit Peter M. Pittner) fungierte als Kuratorin der Ausstellung.

Ingrid Motosso wohnt in Rauischholzhausen und in einem Haus in Süditalien inmitten von Olivenhainen. Die Wurzeln von Olivenbäumen kombiniert sie künstlerisch mit Steinen, Gebrauchsgegenständen oder andern Objekten zu Skulpturen. Mit Öl oder Lack überzogen entstehen neue Identitäten des Surrealen.

Für den algerischen Architekten Younes Maroufi ist die Fotografie das Medium seiner Kunst. Die elektronischen Möglichkeiten, ein reales Bild künstlerisch zu bearbeiten, ermöglicht es dem 30-Jährigen, Bildern einen neuen Ausdruck und Sinn zu verleihen. So wie die Maler des vergangenen Jahrhunderts das Bild nicht mehr als Abbild des Seins begriffen, so ermöglicht diese neue Form der Kunst Gefühle, Emotionen und Aussagen zu transportieren, die mit Worten nur schwer zu umreißen sind. Eine Kunstform die in die Schnelllebigkeit unserer Zeit passt.

Mark Hinrichs aus Roßdorf stellt seit Jahrzehnten aus. Über Radierungen und die Bildhauerei ist er zum Malen mit leuchtenden Acrylfarben gekommen. Als Pädagoge gibt er seine Malleidenschaft gerne in Workshops weiter und weckt dabei die Liebe zur Kunst. Er lässt sich beim Malen durch Gefühl und Musik leiten. Das wird besonders in der gemalten Bewegung der Bilder deutlich.

Holger Probst aus Marburg empfindet Kunst ganz anders. Er verwendet Dinge, die einem anderen Organismus dienten (z. B. Hörner eines Rindes) und montiert sie zu neuen Objekten. Ein Wikingerschiff aus dem Kiefer eines Tieres als Rumpf und einem Korallengeäst als Segel fand ich beeindruckend.

Drei Tage Kunst, Kommunikation und Impressionen in einen kurzen Text zu pressen, wird der Ausstellung natürlich nicht gerecht. Die Art der Kunst transportiert die Individualität der Künstler. Manchen Künstler lernt man besser über sein Werk kennen als im Berufsleben oder Alltag. Salvatore Dali sah sich in seiner Kunst als Exhibitionist und sein Publikum als Voyeure. fest getrennt durch eine unsichtbare Glasscheibe. Auch eine solche Aussage ist Kunst.
Stephan Muth

 

Zu Fuß in die Highlands – The West Highland Way
 

So lautete der Titel eines Bildvortrags von Iris Krane am 4. März  2017. Rosemarie Beck führte ein Gespräch mit der Referentin.

Rosemarie Beck: „Zu Fuß in die Highlands“ war die Überschrift deines Vortrags am 4. März dieses Jahres in der Kulturscheune – ein Titel, der Erwartungen steigen lässt. Es ging um den West Highland Way (WHW), den ältesten Fernwanderweg Schottlands. Du bist ihn zusammen mit deinem Mann schon mehr als einmal gewandert. Der Weg scheint recht anstrengend zu sein und große Anforderungen an den Wanderer zu stellen. Wie seid ihr darauf gekommen, den West Highland Weg zu wandern?

Iris Krane: Bei unserem ersten Schottland-Urlaub haben wir einige Wanderer getroffen, die den WHW gelaufen sind und uns mit leuchtenden Augen davon berichtet haben. Da stand für uns fest, dass wir es auch versuchen wollen.

Beck: Wie habt ihr eure Wanderung organisiert? Habt ihr euch einer Gruppe angeschlossen?

Krane: Wir haben damals gleich vor Ort etliche Reiseführer besorgt und unsere Wanderung dann privat organisiert. Der WHW hat eine eigene Webseite, dort kann man sich über alles informieren. Übernachten kann man in Jugendherbergen, Hotels oder B&Bs (Bed and Breakfast). Man sollte jedoch unbedingt vorher reservieren, da der WHW mittlerweile sehr beliebt ist. Es gibt sogar eine Firma, die einem das Gepäck befördert, so dass man mit leichtem Rucksack wandern kann.

Beck: Kannst du kurz den Verlauf des WHW schildern?

Krane: Der Weg hat eine Gesamtlänge von 154 Kilometern. Er beginnt ganz unspektakulär in einem Stadtpark in der Nähe von Glasgow. Von dort aus geht die Wanderung durch die sanften Hügel der Lowlands, an den Ufern des verträumten Loch Lomond entlang, dann weiter nach Norden durch einsame grüne Täler und das wilde, verlassene Rannoch Moor, bis man am Ende den Ben Nevis erreicht, den höchsten Berg Großbritanniens. Dort liegt das Städtchen Fort William, der Endpunkt der Wanderung. Für mich ist das Schönste am Weg die wechselnde Landschaft. Jeden Tagen bieten sich völlig neue Ausblicke, während die Umgebung immer rauer und karger wird. Die Wanderung selbst ist mal angenehm und erholsam, dann wieder richtig anstrengend und Kräfte zehrend. Das liegt daran, dass ein Großteil der Strecke abseits jeglicher Zivilisation liegt. Es gibt Wegstrecken, die zwar gut ausgebaut und einfach zu laufen sind, aber bei schlechtem Wetter keinerlei Schutz oder Unterschlupf bieten. Gute Kleidung ist da ein absolutes Muss!

Beck: Und wenn am Rande der Zivilisation irgendetwas passiert? Hat man dann Handy-Empfang?

Krane: Handy-Empfang hat man überall, und die Frauen und Männer von der schottischen Bergrettung sind sehr gut ausgebildet. Es passiert allerdings wenig entlang des Weges. Gefährlich wird es erst, wenn unerfahrene Wanderer versuchen in die Berge zu steigen. Die schottischen Berge sind zwar nicht hoch, aber sehr steil und größtenteils naturbelassen. Es gibt kaum ausgebaute Wege und man kann sich gerade bei Wettereinbrüchen dort sehr schnell verirren.

Beck: Welche Jahreszeit ist die beste, um den Weg zu wandern?

Krane: Mit Regen ist immer zu rechnen, egal in welcher Jahreszeit. Im Hochsommer kann es allerdings sehr voll werden. Mai und Juni sind meiner Meinung nach die besten Monate. Später werden die Mücken zu einer echten Plage.

Beck: Wie lang braucht man, um den gesamten Weg zu laufen?

Krane: Die Dauer der Wanderung hängt von den Übernachtungsmöglichkeiten ab. Man wandert von Dorf zu Dorf, das Ganze dauert normalerweise acht bis zehn Tage. Wenn man ein Zelt dabei hat, ist man natürlich unabhängig. Will man schneller wandern, sollte man gut im Training sein und genau wissen, was man tut. Wir haben unterwegs einige teils junge Leute getroffen, die sich übernommen hatten und wegen Blasen und Muskelkrämpfen aufgeben mussten.

Beck: Seid ihr wirklich nur gelaufen, oder habt ihr auch Verkehrsmittel benutzt?

Krane: Wir sind gelaufen. Aber sollte man einmal fußkrank sein, gibt es zwischen den einzelnen Übernachtungsmöglichkeiten Busverbindungen. Um am Schluss zurück nach Glasgow zu kommen, haben wir ein Ticket für die West Highland Line besorgt, eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt.

Beck: Wie ist im Allgemeinen der Kontakt zu den anderen Wanderern?

Krane: Alle sind sehr freundlich. Man trifft sich abends in den Gasthäusern und Kneipen, unterhält sich, tauscht Erfahrungen aus und lernt neue Freunde kennen. Das Wandern selbst ist eine sehr private Angelegenheit. Beinahe meditativ. Hier ruft man sich meist nur ein fröhliches „Higha!“ entgegen, wechselt vielleicht ein paar Worte und wandert dann in Ruhe weiter.

Beck: Gibt es neben den Naturschönheiten noch andere spannende Dinge zu sehen oder zu erleben?

Krane: Für die Freunde des schottischen Whiskys gibt es gleich am ersten Tag eine Brennerei-Besichtigung, und am Rand des Moores kann man mit einer Seilbahn über eine Wildbachschlucht fahren. Und wer, wie ich, Geschichte liebt, kommt ganz und gar auf seine Kosten. Überall entlang des Weges haben die Highland Clans, die MacGregors, Campbells und MacDonalds, ihre Spuren hinterlassen; in jedem Tal und an jedem See sind spannende, tragische oder auch kuriose Dinge geschehen. So wird die Wanderung buchstäblich zu einer Reise in die abenteuerliche Vergangenheit Schottlands.

Beck: Du hast gerade erwähnt, dass ihr eine Whisky-Brennerei besucht habt. Bei deinem Vortrag haben wir auch eine Auswahl von drei Whiskysorten probiert. Kannst du sie kurz näher beschreiben?

Krane: Wir hatten versucht, ein paar prägnante und möglichst unterschiedliche Geschmacksrichtungen vorzustellen, um die Vielfältigkeit der schottischen Whiskys zu zeigen. So haben wir uns für einen Auchentoshan entschieden, der in den Lowlands in der Nähe von Glasgow gebrannt wird, für einen Glenmorangie aus den nördlichen Highlands, der süßlich und nur wenig getorft ist, und für den Talisker Skye, einem kräftigen Inselwhisky, der ordentlich nach Torf und Rauch schmeckt.

Beck: Du hast uns jetzt neugierig gemacht auf Schottland und auf den Wanderweg, ich bedanke mich sehr für deinen überaus informativen, spannenden Vortrag. Wir freuen uns schon auf deine nächste Präsentation.

 

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