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Das Wahrzeichen unseres Stadtteils ist die
um 1200 erbaute Martinskirche. Hier feiert die evangelische
Kirchengemeinde bis heute ihre Gottesdienste, hier finden
aber auch Konzerte und Theateraufführungen statt. Im Leben
der Gemeinde, zu der etwas mehr als 1700 Menschen gehören,
sollen Tradition und Moderne sich miteinander verbinden -
unter dem Vorzeichen des Evangeliums. Ob alt oder jung, ob
Frau oder Mann - wer eine geistliche Heimat sucht, Gemeinschaft,
Besinnung, Anregung und Aktivitäten, ist herzlich willkommen.
Eine Laudatio über die Kirche von Herrn Pfarrer Wild
unter dem Thema "Alter Kern in neuer Schale" anläßlich
des Abschlusses der Dorferneuerung finden Sie weiter unten
auf dieser Seite.

Der Kirchenvorstand hat beschlossen, die
Martinskirche auch unter der Woche zu öffnen. Für
durchreisende Kunstinteressierte, aber auch für uns Michelbacher,
die diesen stillen Kirchenraum für das persönliche
Gebet nutzen möchten, ist die Kirche an den Wochenenden
von Freitag ab 10 Uhr bis Sonntag um 17 Uhr geöffnet.
Das erste Wochenende soll mit Karfreitag beginnen, das letzte
mit Erntedank enden.
Demnächst wird ein kleiner Schaukasten am
Eingang zum Kirchgarten Auskunft geben. In der Kirche erwarten
wir ein entsprechendes Verhalten der Besucher. Vor allem sollen
die Betenden zu der Stille finden, die sie hier suchen.
| Kontakt |
Evangelisches
Pfarramt
Pfarrer Hartmut Wild |
|
Sprechzeit: |
Donnerstag,
17 Uhr und jederzeit nach Absprache |
"Alter Kern in neuer Schale"
Die Martinskirche trägt Festtracht
Unsere romanische Martinskirche erstrahlt
seit einigen Monaten wieder wie eine junge, hübsche Braut
im weißen Hochzeitskleid. Ein wenig so, wie es der biblische
Seher Johannes am Ende seiner Offenbarung geschaut haben mag:
"Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wen
es dürstet, der komme!" (Offb 22,17) Die Kirche
als Braut.
Mit ihrer neuen Ausstrahlung macht die alte
Dame auf sich aufmerksam, als wäre sie gerade volljährig
geworden. Fast meint man, es zu sehen. Auch der Gockelhahn
auf der Turmspitze leuchtet neu vergoldet über die Dächer
unseres Dorfes. Gelegentlich bekommt er Besuch von den Krähen,
die ihn eine Weile vermisst haben. Nachdem das Mauerwerk und
die Fassade, unter anderem auch mit Hilfe des Dorferneuerungsprogramms,
haben saniert werden können, ist unsere Kirche zum Hingucker
geworden. Der wertvolle, alte Kern hat eine neue, glänzende
Schale erhalten.
Zugegeben: Während ich diese Laudatio
niederschreibe, bringen Gewerbeer am Turm zum zweiten mal
Putz auf. Ein erster Versuch war nicht gut genug. Die Dame
hat sensibel reagiert. Hoffen wir, dass der zweite Anzug sitzt
und passt. Denn dann könnten im Inneren der Kirche lange
zurückgestellte Vorhaben angepackt werden.
Aber schon jetzt freuen sich alle Michelbacher
über das gelungene Äußere, vor allem über
den wieder freien Zugang. Kein Vorhang mehr zaust vom Gerüst
aus die Frisur. Wer durch das würdige, romanische Eingangsportal
den Gottesdienstraum hindurch ist, betritt einen Raum von
ganz eigener Art: Umgeben von einem sanften Dunkel und gedämpfter
Stille erwarten ihn Zeugnisse des Glaubens aus vielen Jahrhunderten.
Ein Raum voller Geheimnis. Die laute, anstrengende Welt darf
eine Weile draußen bleiben. Genau dafür gibt es
nämlich Kirchen, neue und sehr alte. Sie sind, wie es
unser Bischof Dr. Hein in einem seiner Berichte einmal sehr
treffend gesagt hat "öffentliche Platzhalter für
die Tiefendimension menschlichen Lebens." Ein Gebäude
also, das einlädt, sich der Tiefendimension des eigenen
Lebens bewusst zu werden.
Unsere Kirche liegt heute goldrichtig, nämlich
mittten im gegenwärtigen Michelbach. Alle haben es in
etwa gleich nah zu ihr. Oder gleich weit, denn dieser Raum
erschließt sich niemandem völlig von sich aus.
Er wartet geduldig und beharrlich darauf, bis wir ihn aufsuchen,
bis wir ihn endlich für uns entdecken und bewohnen. Diese
Entdeckung allen zu erleichtern, bemüht sich die Kirchengemeinde
mit ihrem gefächerten Angebot, auch in der Vielfalt der
Gottesdienste. Sie tut es in ökumenischer Weite, offen
für alle Christen, für alle Suchenden.
Diese Kirche ist nur äußerlich
ein nostalgischer Bildhintergrund. Sie ist gewiss auch ein
einzigartiges Kulturdenkmal, das mit seinem Detailreichtum
neugierig macht und in Erstaunen versetzt. Unsere Kirche ist
vor allem dieser unverwechelbare, feierliche Ort der Gegenwart
Gottes, an dem wir uns miteinander freuen und miteinander
leiden können, an hohen Festtagen und bei lebhaften Familiengottesdiensten,
wo nach Luther "Gott mit uns redet und wir mit ihm".
Hier liegen die Wurzeln jeder lebendigen Gemeinde. Das Traditionelle
daran ist zugleich der Nährboden für neue Entwicklungen.
Der alte Kern treibt junge Triebe durch die krustige Schale.
Neu ist das nicht, aber immer wieder wahr, auch für Zukunft
der Michelbacher Kirchengemeinde. Länger schon wird der
Wunsch laut, unsere Kirche auch wochentags zu öffnen.
Menschen suchen nach der Stille und sie wissen, wo sie zu
finden ist. Wir arbeiten daran.
Michelbach wächst. Zwar nicht so rasant,
wie das mal erwartet worden ist, aber doch allmählich
Haus um Haus und Gesicht um Gesicht. Nicht alle sind evangelische
Neubürger, manche eher distanziert, manche suchend. Sie
alle und die Alteingesessenen mit ihrem ganz ähnlichen
Spektrum an Nähe und Distanz können unsere "hübsche
Braut" weder ganz übersehen noch völlig überhören.
Sie lädt ein, frisch und herausgeputzt, damit sich in
ihr eine sehr persönliche Art "Dorferneuerung"
ereignen kann.
Pfarrer
Hartmut Wild
(Aus dem Abschlussbericht der Dorferneuerung
Oktober 2004)
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